Sonja von Opel

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Kolumne im Manager Magazin

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775 Kilometer in 22 Tagen von München nach Hamburg

 

Eine Frau, zwei gesunde Beine, drei Wochen Zeit, um von München nach Hamburg zu laufen

Von Berufswegen bin ich ein Gute-Laune-Mensch, denn ich bewege die Leute, mache Läufer aus ihnen, coache sie für Wettkämpfe, motiviere sie zum Dranbleiben und veranstalte Laufreisen und Camps. Die Pandemie hat viele Menschen zum Laufen gebracht, was mein Coach-Herz einerseits erfreut, andererseits hat es sehr gelitten, denn mir fehlt der menschliche Kontakt zu meinen Athleten. Keine Camps, keine Lauftreffs, keine Veranstaltungen, kein sportliches Abklatschen, keine Umarmungen. Da geht auch einem Gute-Laune-Menschen irgendwann die Luft aus. Aber Trübsaalblasen ist nicht mein Ding, also nutze ich die Chance des Stillstands, um etwas zu bewegen. Ich begebe mich auf einen Lauf quer durch Deutschland. Ich laufe von München nach Hamburg. Als Geschäftsreisende kann ich in Hotels übernachten, denn mein Trip ist beruflicher Natur: Ich scoute für spätere Etappenläufe, die ich anbieten möchte, und ich inspiriere und motiviere unglaublich viele Menschen mit meiner Aktion, die in den sozialen Medien virtuell mitlaufen, mitfiebern und verstehen, dass das Laufen das beste Mittel gegen Frust und schlechte Laune ist. 

 

Aller Anfang ist schwer

Als ich am 15. März 2021 im Süden von München vor meiner Haustür loslaufe, fällt mir ein Stein vom Herzen, denn die letzten Tage waren sehr stressig. Ich war angespannt, aufgeregt und hatte Ameisen im Kopf. Vier Pakete mit Wechselwäsche und Schuhen gingen bereits nach Nürnberg, Meiningen, Göttingen und Hannover, damit ich alle paar Tage frische Kleidung habe. Der Blick auf den immer schlechter werdenden Wetterbericht ließ meine Aufregung nicht sinken, aber ich habe mir immer wieder gesagt: Wenn nicht jetzt, wann dann?! Die größte Kunst beim Durchziehen eines solchen Abenteuers besteht meiner Meinung nach darin, eine Idee Wirklichkeit werden zu lassen, indem man stur an der Verwirklichung festhält. Man muss die Gradwanderung schaffen, nicht zu viel nachzudenken und dennoch alle wichtigen Punkte zu bedenken. Habe ich alle Ladekabel? Passt der Rucksack? Wie navigiere ich? Brauche ich wirklich täglich frische Socken? Als ich die Isar entlang in Richtung Münchener Innenstadt laufe, verschwinden die Ameisen im Kopf und es wird ganz still in mir. Bis Ingolstadt denke ich nichts und bemerke nicht mal, dass ich durch Schnee und Graupelschauer laufe.

 

Die Kunst der Langsamkeit

Als ich schon eine Woche unterwegs bin, habe ich noch nicht mal Bayern verlassen. Irgendwie wirkt das frustrierend. Mit dem Auto hätte ich jetzt schon ein Duzend Mal zwischen München und Hamburg hin und her fahren können und ich brauche satte neun Lauftage, um endlich die Grenze nach Thüringen zu erreichen. Aber beim Blick auf die Karte fällt mir dann doch auf, dass ich mich mit meinen eigenen Füßen schon ganz schön weit gen Norden bewegt habe. Ohne technische Hilfsmittel arbeite ich mich Tag für Tag, Schritt für Schritt nach vorne. Ja, das Tempo ist vielleicht langsam, aber verglichen mit denjenigen, die zu Hause auf dem Sofa sitzen, bewege ich mich konstant und stetig. Frust wechselt unmittelbar mit Stolz. Weiter, immer weiter. Das kann klappen mit meinem Vorhaben und ja, ich will bis nach Hamburg kommen!

 

Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper

Mental bin ich stark wie selten zuvor. Der Schweinehund ist scheinbar in München geblieben, denn ich habe jeden Morgen Lust auf die nächste Etappe und zweifele nicht eine Minute daran, dass ich diesen Lauf bis Hamburg wirklich durchziehen werde. Aber wird mein Körper mitmachen? Diese Angst begleitet mich ständig und ich tue daher alles, um möglichst gesund zu bleiben: Ich ernähre mich vorbildlich von Salat, Obst, Nüssen und Vollkornprodukten, ich trinke den ganzen Tag über ausreichend Wasser und ich mache dreimal täglich Gymnastik, um verletzungsfrei zu bleiben. Aber das Wichtigste ist, dass ich an mich und meine Stärke glaube. Auch hier ist es wieder einer Gradwanderung aus Mut und Vorsicht, die es zu meistern gilt. Einerseits will ich demütig und dankbar für jeden Schritt sein, andererseits optimistisch und zuversichtlich. Es gelingt.

 

Das Perpetuum mobile des Laufens

Im letzten Drittel meines Laufs spüre ich plötzlich, dass ich mich stärker fühle, als beim Loslaufen. Mir tut gar nichts (mehr) weh, ich bin kerngesund und meine Gedanken sind durchweg positiv, optimistisch und fröhlich. Es gibt nichts, wonach ich mich bei meiner Ankunft in Hamburg sehne. Ich bin glücklich im Hier und Jetzt! Es scheint ganz so, als ob all die Energie, die ich Tag für Tag in die Bewältigung der 30 bis 40 Kilometer langen Etappen gesteckt habe, in mich zurückgeflossen ist. Ich habe wohl bei der Planung alles richtig gemacht, indem ich mir mit den drei Wochen ausreichend Zeit genommen habe. Denn obwohl, nein weil ich meinen Laptop mitschleppe, um arbeiten zu können, gewinne ich Zeit und Gelassenheit. Ich bin ungefähr sechs Stunden pro Tag auf den Beinen und den Rest verbringe auf dem Hotelbett, wo ich Supermarkteinkäufe knabbere und via Emails mit meinen Athleten kommuniziere. Dabei regeneriere ich und bin morgens wieder frisch für den nächsten Lauf. Das Konzept geht auf und ich ertappe mich bei dem Gedanken, was wäre, wenn ich mal für mehrere Monate durch ganz Europa…

 

Das Ende ist der Anfang

Kurz vor Hamburg werde ich schwermütig und aufgeregt zugleich. Meine Zeit mit mir selbst geht zu Ende und ich werde meine Familie wiedersehen, werde meinen Alltag, meinen Rhythmus und meine neuen Gewohnheiten wieder in ein anderes Fahrwasser leiten müssen, wollen. Ich bin kein einsamer Wolf und selbst wenn, dann wird mir klar, dass auch Wölfe Herdentiere sind. Im Rudel sind wir unschlagbar und ich freue mich auf die Menschen, die ich am liebsten um mich habe. Aber ich freue mich auch, dass ich mit mir selbst so gut klargekommen bin, dass der Lauf irgendwie meinen innersten Kern freigelegt hat. Beim Blick auf diesen Kern stelle ich zufrieden fest, dass ich gut bin, so wie ich bin. Wenn ich mich über mich ärgere, mich verirre oder feststecke, dann liegt es daran, dass mich die falschen Dinge beeinflussen, aber wenn ich mich von meiner inneren Stimme lenken lasse, dann komme ich an einen Ort, der gut für mich ist. Wir sollten immer ein Ohr für unsere innere Stimme haben. Beim Laufen haben wir das besonders gut. Laufen ist die beste Lösung!


Auf Schritt und Tritt ...

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